Reinigung einer Leica M

 

Zugegeben, es gibt jede Menge tolle Kamerasysteme. Ich meine jetzt nicht den heutigen digitalen Einhaltsbrei, sondern analoge Kameras der letzten 50 – 100 Jahre. Systeme die eben nicht alle nach dem Spiegelreflex-Prinzip funktionieren, sondern auch ganz anders aufgebaut sind. Statt SLR TLR, oder statt Spiegel gleich eine Messsucherkamera. Oder halt Kameras ohne Sucher-Whatsoever. Dabei hab ich mich in letzter Zeit erwischt am liebsten mal alle Kameras genutzt und getestet zu haben. Liegt’s am analogen Hype? Ich weiß es nicht. Aber analoge Fotografie passt einfach besser zu mir und macht mir mehr Spaß!

Nach einigen Monaten im analogen Kamerafeld hab ich’s dann getan und eine Leica zum Preis einer heutigen Einstiegs-DSLR erstanden. Schiefe Blicke meiner Freunde mit einem „Warum?!“ inklusive. Aber das Gefühl, welches dieses feine Stück Handwerk vermittelt, ist das einfach völlig wert. Und so hat sich das System im Sturm zu meiner Lieblingskamera entwickelt. (Daran ist vermutlich auch Kodak Tri-X Schwarz/Weiß Film Schuld, aber das ist ein anderes Thema).

www.christophheinrich.de

 

‚Ne Kamera zum alt werden.

 

Leise, leicht, unauffällig, aber ‚vollformat‘. Die Traumkamera schlechthin also. Ein Aspekt hat mich aber dennoch gewurmt. Im Sucher meiner M4-P war ein kleines Staubkorn oder vielleicht sogar Pilz zu sehen. Beim Alter der Kamera sicherlich nichts unübliches, wenn man doch bedenkt, dass sie mit ihrem 81’er Baujahr noch älter als ich ist.

Ein Besuch in Solms ergab voraussichtliche Reinigungs- und Justagekosten in Höhe von 600 €. Mehr also, als ich für die Kamera bezahlt habe. Eine Reinigung bei Herrn Reinhardt wäre sicherlich viel günstiger gewesen, aber als ich folgende Anleitung sah, hat mich dann doch der Ehrgeiz gepackt.

Einige Wochen später lagen letzten Sonntag alle nötigen Werkzeuge auf meinem Arbeitsplatz. Anja war nicht da und ich hatte einen Tag Zeit um sie auseinander zu bauen, zu reinigen und schließlich wieder zusammen zu bauen.

2013-02-17 - Leica M4-P Aufgeschraubt

 

Und siehe da… 5 Stunden später verstand ich, was die Menschheit so an dem großen, nun klaren Sucher einer Leica so imponierte. Bisher hatte ich immer einen leicht nebligen Sensor. Nach der Reinigung strahlte er wieder wie am ersten Tag und liefert ein Licht wie eine Glasscheibe. Herrlich! 🙂

Mit dem richtigen Werkzeug ist so eine Reinigung aus meiner Sicht kein Problem. An eine Messsucher-Kalibrierung würde ich mich allerdings nicht ran trauen und verweise in diesem Sinne lieber an Leica oder Herrn Reinhardt.

 

2013-02-17 - Leica M4-P Aufgeschraubt 2

 

Nachtrag (September 2013):

Da ich inzwischen einige Rückfragen von euch zur Reinigung der Leica M erhalten habe, möchte ich die letzte Anfrage hier direkt mit aufnehmen (zur besseren Lesbarkeit habe ich Zahlen hinzugefügt).
Die letzte Mail beinhaltet alle Aspekte der letzten Anfragen und bietet mir die Möglichkeit euch alle auf dem Laufenden zu halten.

Hier die Mail:

[pix_box icon=“quotes“ bg=“#eeeeee“ color=“#222222″ border_size=“2″ border_style=“none“ border_color=“#dddddd“]

„Guten Abend Herr Heinrich,

wie ich mit großer Begeisterung lese haben Sie ihren M4-P Sucher erfolgreich selbst gereinigt. Da ich ähnliches plane und auch schon mit Leica und Reinhardt Kontakt aufgenommen hatte erlauben Sie mir bitte folgende Fragen zu stellen:

1) Kann beim Reinigen des Glases der Entfernungsmesser aus Versehen dejustiert werden?

2) Muss die Kamera noch weiter zerlegt werden als auf Ihren Bildern zu sehen?

3) Ist die Anschaffung der Werkzeuge nur über eBay möglich bzw. wo haben Sie diese erstanden?

Über eine Rückmeldung würde ich mich sehr freuen!
Herzliche Grüße aus Berlin“

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Erstmal danke für eure Anfragen!

Und anbei meine Antwort:

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1) Ja, während der Reinigung wird der Deckel der Leica entfernt. Wenn dabei sehr vorsichtig vorgegangen wird und auch während der Reinigung der Gläser Vorsicht geboten ist, ist dies ohne eine Dejustierung möglich.

Allerdings hatte ich selbst (aufgrund mangelnder Erfahrung) nicht so viel Glück. Nach dem Zusammenbau und einigen Wochen Verwendung stellte ich fest, dass sich mein Fokus (minimal) veränderte. Eine Rekalibrierung des Messsuchers war also notwendig.

2) Ja, es ist noch ein weiterer Schritt notwendig. Für die Reinigung des Messsuchers muss zunächst der Deckel der Leica abgenommen werden. Dieser Step ist in den Bildern z usehen.
Um denn Messsucher nun vollständig zu reinigen, muss noch eine Schraube an der oberen Seite des Messsuchers entfernt werden. Diese Schraube hällt einen Bügel der das vorderste Glaselement des Messsuchers fixiert. Nachdem die Schraube gelöst wurde, lässt sich das vorderste Element lösen. Durch das lösen und erneute fixieren des Elements lässt sich wohl eine Neujustage nicht vermeiden (siehe Punkt 1). Die äußeren Gläser des Messsuchers lassen sich aber auch ohne diesen Schritt umsetzen.

3) Das Werkzeug gibt’s soweit ich es weiß aus zwei Quellen. Einem deutschen Werkzeughersteller (den Namen habe ich leider vergessen), oder bei eBay. Als Stichwort bietet sich „Wrench Clamp“ an.

 

In diesem Rahmen möchte ich mit euch anbei auch ein kleines Résumé zu den letzten Monaten mit dem Leica M System und meinem persönlichen Erkentnissen zur Reinigung teilen.

Nach der Reinigung und einigen Monaten Nutzung der Leica M4-P habe ich diese Kamera und das System liebgewonnen. Inzwischen ist auch eine digitale Leica M9 dazu gekommen. Es ist das 35mm System mit dem ich alt werden will, oder zumindest das Ende von 35mm Film erleben möchte. Aus diesem Grund hat die Kamera für mich inzwischen einen viel höheren Stellenwert inne. Mein Experiment Leica M wich mehr und mehr einer Überzeugung für das System. Auf Basis dieser Überzeugung (und wegen der Zeitlosigkeit des Systems) würde ich inzwischen zweimal überlegen, ob ich nicht eine professionelle Reinigung bevorzugen würde. Wenn mir allerdings jemand eine günstige Leica M aufgrund eines schmutzigen Suchers anbieten würde, wäre ich sofort wieder am Schrauben!

Solltet ihr also eure Entscheidung bereits für das Leica M System getroffen haben und so ein Schmuckstück besitzen, solltet ihr es euch gut überlegen, ob ihr selbst an der Kamera Hand anlegen wollt, oder den Service eines Fachmanns beansprucht. Beides ist interessant und aus meiner Sicht auch stark von eurem Geschick in der Feinmechanik abhängig.

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6 Comments

  1. by Christian on 21. Februar 2013  19:48 Antworten

    "Digitaler Einheitsbrei" - sehr gut! :-)
    Die einen schrauben Sonntags an der Leica rum, die anderen verbringen den ganzen Tag in der Dunkelkammer...ziemlich geil das analoge ;-) bin auf Deine ersten Bilder gespannt!
    Achso als ich letztens meine Mamiya auseinandernahm beschlich mich hinterher das Gefühl, dass ich die Mattscheibe falsch herum eingesetzt habe. War zum Glück dann doch nicht der Fall :-D

    • by Christoph on 24. Februar 2013  18:46 Antworten

      Hehe. An die Dunkelkammer traue ich mich weiterhin nur zum Entwickeln der Filme. ;)
      Für alles weitere fehlt leider der Platz. Deshalb werden die Bilder gescannt und anschließend digital weiterverarbeitet.
      Das Problem mit der Mattscheibe hatte ich bei meiner Yashica Mat übrigens auch schon. Echt gemein! :D

  2. Pingback : Reinigung und Reparatur einer Leica M3 - Christoph Heinrich

  3. by Christoph Heinrich on 19. November 2016  13:36 Antworten

    Vor einiger Zeit (im Sommer) erhielt ich einen Anruf mit der Bitte um einen Rückruf wegen Fragen zur Reinigung.
    Leider ist einen Tag später mein Handy kaputt gegangen #LGg4BootLoop
    Daher bitte einfach nochmal durchrufen. ;-)

  4. by Michael Schramm on 20. August 2018  13:04 Antworten

    Guten Tag,
    Ich habe ihren Beitrag über das Voigtländer Nokton 35mm gelesen. Ich hätte mal eine Frage. Ich habe irgendwo gelesen das die erste Version dieses Objektives nur mittels eines ELV Suchers an einer M 240 benutzt werden kann. Ich frage deswegen, weil mir eins günstig angeboten wurde. Vielleicht wissen es ja

    • by Christoph on 21. August 2018  18:33 Antworten

      Hallo,
      vielen Dank für Ihre Anfrage!
      Tatsächlich sind beide Versionen des Voigtländer Nokton 35mms (f1.2) gekoppelt mit dem Messsucher. Sie können also auch bei der ersten Version getrost zuschlagen.
      Für mich war damals der Entscheidungsgrund für die Version II das ruhigere Bokeh. In der Version I spricht man wohl von einem "Zwiebelring-Bokeh". Am besten einmal googeln.
      Viel Spaß in jedem Fall mit dem tollen Objektiv!

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