Testbericht und Vergleich: Fuji XF 55-200mm und Minolta MD 70-210mm

 

Das Fuji XF 55-200mm f/3.5 – f/4.8

Es fällt mir schwer zu sagen, ob das Fuji Fujinon XF 55-200mm ein gutes oder ein unzuverlässiges Objektiv ist. Fakt ist, es ist mit seiner geringen Größe und dem guten Bildstabilisator (OIS) ein echter Allrounder. Ich nehme es gerne mit, wenn es zum Wandern in die Natur geht oder Fotos bei Events aus der Ferne nötig sind. Wäre da nicht dieser unberechenbare Fokus!

Bei meinen Landschaftsfotos fokussiere ich üblicherweise manuell, da die heutigen Kameras mit ihren unglaublichen Suchervergößerung sicheres fokussieren ermöglichen. Einen Autofokus gehe ich dabei aus dem Weg. Mit einem ND-Filter wird der es ohnehin sonst schwer. Bei Landschaftsaufnahmen reicht ein leichter Fehlfokus der bei Portraits sonst sprichwörtlich nicht ins Gesicht springt.

Warum schreibe ich hier jetzt? Die letzten Aufnahmen mit dem Fuji haben mich im Stich gelassen. Daher wollte ich auch andere Fotografen waren und eine mögliche Lösung aufzeigen.

 

Hier ein Positivbeispiel was das Fuji kann, wenn der Fokus passt. Der DHL / Post Tower und der Lange Eugen in Bonn.


 

Warum der Vergleich?

Nach den durchwachsenen Ergebnissen des Fuji Objektivs hat es mich interessiert, wie sich ein 30 Jahre altes Objektiv gegen das junge Fuji schlägt. Das Minolta MD70-210mm f/4 hatte ich damals für eine Verwendung an einer Leica M gekauft. Das Objektiv hat eine gute Haptik und ist auch optisch völlig in Ordnung. Grund genug aus meiner Sicht die beiden Objektive einmal gegeneinander antreten zu lassen.

Die Objektive wurden im Test beide an einer Fuji X-Pro2 fokussiert. Der Auslöser hatte eine Verzögerung von 2 Sekunden, um Kamerawackler zu vermeiden. Der Bildstabi (OIS) an der Fuji war für den Test deaktiviert. Es folgen erstmal die Bilderserien der Fotos.

 

Die Fotos im Überblick (Große Darstellung per Klick):

 

Hier die Bildmitte (100% Ansicht):

 

Hier ein Ausschnitt aus den Ecken (100%):


 

Zwischenfazit und Problemanalyse

Fuji hat für seine Objektive eine digitale Korrektur in die Kameras eingebaut. Einige Bildfehler wie eine Vignettierung oder Bildverzerrungen sind daher beim Fuji nicht vorhanden. Trotz fehlender Korrektur sind diese Fehler beim Minolta bei der Blende des Vergleichs (f/8 oder f/11) vernachlässigbar. Die moderne Vergütung des Fujis führt zu einem etwas höheren Kontrast. Bei vollem Zoom hat das Minolta bei höheren Kontrasten leichte cyan- und pinkfarbene Farbsäume. Das wirklich erstaunliche ist, dass trotz des sorgsamen Scharfstellens das Minolta in dem Bildzentrum eine deutlich höhere Schärfe hat.

Irritiernd ist dabei, dass der Fokus trotz des manuellen Scharfstellens beim Fuji häufig daneben (hinter der Schärfeebene) liegt. Das erste Ergebnis des Vergleichs könnte jetzt heißen, dass das Minolta günstiger ist, etwas mehr Geduld beim Scharfstellen erfordert, aber unterm Strich eine höhere Auflösung bietet. Wenn der Fokus beim Fuji allerdigns passt, ist das Fuji das bessere Objektiv.

Da ich von einigen Zeiss Objektiven (Zeiss Sonnar 50mm) gelesen haben, die einen Focus-Shift je nach eingestellter Blende haben, wollte ich einmal herausfinden, ob es vielleicht bei dem Fuji XF 55-200 ähnlich ist. Siehe da, ein paar Google Suchanfragen später stellte sich heraus, dass auch weitere Fuji Nutzer beim manuellen fokussieren ähnliche Probleme wie ich haben. Hier der Link zu einem Forenbeitrag zum Problem des Focus-Shifts. Wenn das beschriebene Problem tatsächlich ein Focusshift ist, wäre die Lösung das fokussieren bei der eingestellten Blende. Üblicherweise nimmt die Fuji allerdings zum fokussieren die Offenblende.


 

Die Lösung

Dank der Funktion "AF+MF" habe ich eine Lösung finden können (Genaueres dazu hier). Die Fokuseinstellung "MF" oder die Taste "AF-L" nutzen bei Fuji üblicherweise immer die Offenblende. Es kann daher vorkommen, dass ein Objektiv mit Focus-Shift nachträglich die Schärfeebene verschiebt.
Im Modus "AF+MF" ist die Reihenfolge eine andere. Die Kamera schließt zuerst die Blende, fokussiert anschließend und lässt eine Korrektur durch den Fotografen zu. Sollte der Autofokus daneben liegen, gibt es immernoch die Chance einer Korrektur.

Hier eine letzte Bildreihe. In dem Foto links wurde das Fuji manuell fokussiert und weißt damit selbst im Bildmittelpunkt eine Unschärfe auf. Das Foto vom Minolta (Mitte) ist daher sogar ein wenig schärfer. Die dritte Aufnahme (rechts) zeigt die mögliche Schärfe, wenn die Funktion AF+MF genutzt wird.

 


 

Fazit

Wie Eingangs geschrieben ist das Fuji ein wahrer Allrounder. Die Unschärfe über die gesamte Bildebene hinterließ bei mir aber immer einen zwiegespaltenen Eindruk. Auf der einen Seite ist es dann natürlich schade, dass der manuelle Fokus mit manchen Fuji Objektiven nur bedingt zu gebrauchen ist. Die Lösung den Autofokus und manuellen Fokus zu kombinieren stellt zumindest einen Workaround dar. Unterm Strich ist das Objektiv noch etwas schärfer als der ältere Bruder von Minolta. Ausschlaggebend ist allerdings der richtige Fokus.

3 Comments

  1. by Tilman on 24. Juni 2019  19:20 Antworten

    Interessant! Ich habe das 55-200mm (hier meine Erfahrungen damit: https://tilmankoeneke.de/?s=55-200mm) ebenfalls und mag es recht gerne. Allerdings habe ich auch noch nie versucht, damit manuell zu fokussieren...

    Ich probiere es mal selber aus. Danke für deinen Test!

    Beste Grüße,
    Tilman

    • by Christoph on 24. Juni 2019  20:16 Antworten

      Danke Tilman und sehr gerne! Das sind tolle Detailaufnahmen.

  2. by Marco Spadoni on 19. Juli 2019  18:35 Antworten

    Hallo Christoph,
    wie man es von dir kennt :-)
    Ein sehr interessanter Beitrag und ja ich werde den Workaround ausprobieren.
    Soweit bin ich ganz zufrieden und habe es gebraucht beziehen können. Ich muss aber zugeben, dass mich der Autofokus auch schon geärgert hat.

    Gruß
    Marco

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