Voigtländer Nokton 35mm f1.2 Testbericht

Während ich am Wochenende mit Anja Pilze sammeln war, nutzte ich die Gelegenheit um ein neues Objektiv zu testen.
Lichtstark, scharf, weitwinklig, aber für Leica Standards ein Gewichtsbrocken.

Voigtländer Nokton 35mm f/1.2 II

Das Voigtländer Nokton 35mm f/1.2 II ist mit seiner Blende f/1.2 ein extrem lichtstarkes Objektiv, welches trotz des leichten Weitwinkels ein enormes Freistell-Potential besitzt. Die Blende 1.2 klingt auf dem Papier echt erstaunlich. Am Wochenende wollte ich rausfinden, ob sich die Werte in der Praxis beweisen können, oder ob das Objektiv wieder zurück an den Händler muss. Schließlich steht schon ein Leica Summicron 35mm ASPH (f2) im Schrank.

Was war also trotz des schon vorhandenen Leica Summicrons der Anlass ein weiteres 35mm Objektivs zu kaufen?

  • Eine enorme Lichtstärke – Zwischen dem Summicron (f2) und dem Nokton (f1.2) liegen 1,5 Blenden. Da die Leica ab ISO1250 schwächelt, bietet sich diese Lichtkraft durchaus an.
  • Eine besondere Bildwirkung – Blende f1.2 bietet ein höheres Freistellpotential als eine Blende f2.0. Zusätzlich soll die Verzeichnung des Noktons bei Offenblende an das Leica Noctilux erinnern. Ein sehr begehrtes Leica-Objektiv, welches für mehr als 10.000 € über den Tisch geht.

Es sollte das Summicron aber nie ablösen. Schließlich wiegt das Summicron auch nur 300g, während das Nokton immerhin 500g auf die Waage bringt. Für Leica-Standards eigentlich ein Unding. Aus Sicht eines ehemaligen Canon-Spiegelreflex-Nutzers aber keine Hürde.

 

Das Nokton 35mm für Portraits (beide bei f1.2):

Anja und ich Diptych

 

Das Nokton für Landschaftsaufnahmen im Wald (auch f1.2):

Wald Diptych 2

 

Wie erhofft bietet das Nokton bei Blende 1.2 eine ganz andere Wirkung als das Summicron bei seiner Anfangsblende f2. Das Summicron von Leica ist ein viel sachlicheres Objektiv. Es zeichnet schon bei Anfangsblende scharf bis in die Bildecke, während das Nokton selbst bei f4 noch leicht unscharf ist. Das Nokton liefert dafür bei Blende f1.2 eine sehr dreidimensionale Wirkung. Selbst bei mehr als drei Meter Entfernung wird der Hintergrund unscharf gezeichnet. Doch insbesondere bei einem kleinen Abstand bis zu zwei Meter gefällt mir die Wirkung sehr. Beide Objektive ergänzen sich somit wunderbar. Das Summicron als Dokumentar-Linse, das Nokton für traumhafte Momente.

Das Nokton erinnert mich bei der Blende f1.2 sogar an die Bildwirkung der Contax 645. Die Bildecken sind sehr geschwungen, die Fokusebene ist scharf und der Hintergrund ist nicht etwa eine homogene Masse, sondern nach wie vor zu erkennen.

Fazit

Das Voigtländer Nokton 35mm f/1.2 II bleibt. Beide Kriterien wurden erfüllt. Das Objektiv hat eine ganz eigene Bildwirkung und es ergänzt mit seiner Lichtstärke mein Arsenal sehr gut für Hochzeitsfeiern bei Schummerlicht

Bei der Betrachtung der Bilder fiel mir außerdem eine starke Ähnlichkeit zu einer Mittelformatkamera auf. Das Nokton hat bei Offenblende eine ähnliche Wirkung wie das Zeiss Planar 80mm f2 an der Contax 645. Sicherlich ist eine Leica M zusammen mit dem Nokton f/1.2 nicht unbedingt die günstigere Variante als eine Contax 645 (analoge Mittelformatkamera), aber evtl. dennoch eine Alternative. Ich bin jedenfalls sehr positiv von dem Nokton überrascht.

 

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