Welche ist die beste Brennweite und warum eigentlich?

Stichwort Objektivwahl: Welche ist die richtige Brennweite? Was bedeutet eigentlich Weitwinkel oder Tele? Objektive und die Fotografie ist so ein Thema für sich. Schnell werden uninteressanten Fotos mit der fehlenden Optik begründet. Für alle die sich überlegen ein Kamerasystem zu kaufen ist der Artikel interessant. (Und bitte, bitte, biiiitte tauscht eure Kitobjektive aus!)…

Was begeistert mich an der Fotografie?
Sind es die Farben, die Menschen die ich bisher darüber kennen gelernt habe, oder die technische Vielfalt der verschiedenen Kameras. Ich glaube es ist im Großen eine Mischung aus all-dem. Aber am meisten interessieren mich eigentlich die Geschichten die man mit guten Fotos ausdrücken kann und die interessanten Momente, die sich ohne viele Worte durch eine oder eine Hand voll Aufnahmen festhalten lassen. Und so interessieren mich eigentlich weniger die Menschen, weniger die Kameras und weniger die Farben als die Interaktion zwischen all-dem.

Weitwinkel – Denn mehr ist besser, oder?

Mein Startschuss für die Fotografie war der Wunsch das ‚hier-und-jetzt‘ für die Nachwelt festzuhalten. Zuerst getreu dem Prinzip: Mehr ist besser. Es musste also nicht nur die Qualität der Kamera und der Objektive (Sprich also die Schärfe) überzeugen, sondern am besten auch noch möglichst viel in einem Bild sein. Monumentale Gebäude in München? Am besten ein Ultra-Weitwinkel-Objektiv und möglichst viel drauf. Eine Straße in der Heimat? Am besten von Oben mit allem drum und dran.

24mm

Der Tele-Bereich – Komprimieren geht über Alles!

Erst später, so nach einigen Monaten, merkte ich dann, dass es eigentlich nicht auf die Vielfalt der Motive ankommt, sondern viel mehr den Ausdruck dieser. Das optische Gewicht sozusagen, oder wie David DuChemin zu sagen pflegt: Visual Mass.
Meine Vorliebe der ‚weiten-Winkel‘ ging deshalb recht schlagartig verloren. Stattdessen interessierte mich von nun an eher der Blick auf das kleine. Damit meine ich jetzt aber nicht Makro-Fotografie, sondern in Erster Linie Tele-Fotografie. Fotografie also mit Brennweiten im Bereich von 70-200mm. Und so ging die Reise also vom einen Extrem in die andere Richtung. Die Welt der Kompression wollte entdeckt werden. Tele-Objektive waren das nächste Ziel.

Wo zuerst noch fallende Linien, hervorgerufen durch die Weitwinkel-Objektive, an der Tagesordnung waren, wichen diese nun stark kompremierten Bildern. Entfernte Objekte wurden mit nahen Objekten auf einmal in ein Foto gepackt, als wären sie nur wenige Centimeter entfernt. Andreas Feiniger, der in seiner Jugend Tele-Aufnahmen von New York machte, wurde zu einer Gottheit. Schließlich geben Tele-Objektive, solange man die notwendige Entfernung hat, eine reelle Größe wieder. Fotografiertes wurde nicht länger extrem verzerrt, sondern realistischer dargestellt. Der Fotografische Blick wurde auf die Details geschult. Aber auch das war irgendwann vorbei. Zwar kam für mich die ‚Weitwinkel-Zeit‘ bisher nicht zurück, aber das 35mm Objektiv am Kleinbild hatte es mir dann doch angetan.

70-200mm

70-200mm

 

35mm – Ein so subtiles Weitwinkel…

Nach dem ‚Tele-Rausch‘ verschlug es mich wieder ins Weitwinkel-Lager. Aber nun nicht mehr ins den extremen Bereich der Ultra-Weitwinkel-Objektive. Stattdessen wurde es ein dezentes Weitwinkel. Gerade Weitwinkel genug, um Kontext für eine Geschichte in das Bild zu bekommen und nicht zu viel, um Linien zu stürzenden Türmen zu basteln. Für mich war es in der Reportage also die perfekte Brennweite. Kombiniert mit einer großen Blende von f/1.4 gegenüber langsameren Optiken immernoch große Möglichkeiten Szenen freizustellen. Ja… 35mm ist heute eine meiner liebsten Brennweiten. Schaut euch zum Thema ’35mm‘ auch unbedingt die Lifestyle-Aufnahmen von Nick Onken an. Gerade im Bereich Lifestyle schwört er auf 35mm.

35mm IMG_8003

35mm 2

 

85mm – Die Erleuchtung im lichtstarken Tele-Bereich

Und wo ich eine Zeit lang mit einem 70-200mm Obektiv unterwegs war, wurde ein 85mm draus. Das 85mm hat nicht nur den Vorteil, dass es erheblich weniger als ein 70-200mm Tele wiegt, sondern lässt auch den vierfachen Anteil an Licht auf durch die Kamera fallen. Somit bietet es bei Portraits gefälligere Bilder durch eine kleine Schärfeebene.

85mm

85mm II

 

Und heute?

Wo befinde ich mich nun also nach den ersten Monaten der Fotografie? Das ursprüngliche Ultra-Weitwinkel musste dem großen Tele-Bereich weichen. Der große Telebereich schließlich dem dezenten Weitwinkel (35mm) und das wurde noch ergänzt um ein dezentes Teleobjektiv (85mm). Inzwischen stehen im Regal mehrere Kamerasysteme und allen Systeme decken diesen Brennweitenbereich ab.

Und dennoch würde ich nicht sagen, dass die Fotografie nicht im absoluten Ultra-Weitwinkel-Bereich stattfinden kann. Es ist eine andere Art und Weise zu fotografieren. Es geht weniger um die kleinen, aber wichtigen Ausschnitte, sondern eher um die Szenerie. Der Blick wird nicht auf die kleinen Ausschnitte geleitet, sondern zeigen die Räumlichkeit, die Menschen darin und fangen so die Stimmung ein. Ähnlich ist’s dann auch bei der Landschaftsfotografie. Umso mehr auf dem Bild ist, umso schwerer kann es aber natürlich auch werden. Für mich steht deshalb fest, dass in nächster Zeit noch ein Ultraweitwinkel ansteht. Kein Objektiv was ich immer auf meiner Kamera haben werde, aber eben eins für 2-3 Fotos bei einem Event. Ein Foto des Kirchenraumes bei einer Hochzeit, oder ein Foto des Veranstaltungsraumes bei einem Startup-Event. Die Lichtstärke ist dabei auch nicht mal wichtig, da diese Bilder aus meiner Sicht eher statisch sind. Auch der Ultra-Tele-Bereich hat seine Berechtigung. Es ist halt ’ne Typenfrage. Schaut euch zum Theme Ultra-Weitwinkel-Fotografie mal den Blog von Michel an.

 

Meine Empfehlung für Einsteiger

Seid ihr noch auf der Objektivjagd? Eine Empfehlung die ich euch aus meiner Erfahrung geben kann, ist folgende: Kauft euch als erstes am besten ein günstiges 50mm des Kameraherstellers eures Vertrauens. Bei Canon ist dies zum Beispiel das 50mm f/1.8 II. Nikon hat ein ähnliches Objektiv im Angebot. Diese Objektive kosten ’nur‘ 100€ sind aber verdammt lichtstark. Ihr werdet sehen, dass diese Objektive die Möglichkeit bieten eure Motive freizustellen (Bokeh) und gleichzeitig sind sie ’normale‘ Objektive. Sie sind also genau zwischen Tele und Weitwinkel.

www.christophheinrich.de

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